GRENZRAUM DREILÄNDERECK

2000 JAHRE EINHEIT UND TRENNUNG

Ein Grenz(kennen)lernweg von der Pax Romana bis zum Schengener Abkommen

Gegen 12.000 v. Chr. ging die letzte Eiszeit zu Ende. Vor dieser Zeit durchstreiften vermutlich Jäger und Sammler das Dreiländereck. Mit der Verbesserung der klimatischen Bedingungen kamen in der Steinzeit ab ca. 10.000 v. Chr. mehr Jäger und Sammler in die Region. Aus der Zeit um 2.000 bis 3.000 v. Chr. wurden einige Steinwerkzeuge gefunden. Vermutlich war der Dreiländerraum aufgrund seiner klimatischen Gunstfaktoren schon ab ca. 3000 v. Chr. dauerhaft besiedelt.

In vorrömischer Zeit siedelten ab ca. 750 v. Chr. die Kelten, ein aus verschiedenen Stämmen bestehendes Volk, im Dreiländereck und im ganzen westlichen Europa. Die in der Großregion siedelnden Stämme hießen Treverer und Mediomatriker, wobei im Dreiländereck wahrscheinlich Treverer siedelten. Ab der Römerzeit sind Ereignisse für das Dreiländereck in Form schriftlicher Aufzeichnungen vorhanden. (Peter Kiefer)

58v. Chr. – 275: Römer im Dreiländereck

58v. Chr. – 275: Römer im Dreiländereck

58 v. Chr.: Ab 58 v. Chr. erobern die römischen Armeen unter Julius Cäsar nach und nach Gallien. Der Stamm der Treverer unterwirft sich 56 v. Chr. und verbündet sich mit den Römern. Das römische Reich erweitert seinen Einfluss moselabwärts in Richtung Rhein. (GELZ/ Peter Kiefer)

16 v. Chr.: Nach mehreren Aufständen der Treverer gewinnt die römische Kultur immer mehr an Einfluss. Die Römer gründen Trier und erschaffen damit ein kulturelles Zentrum für den Obermoselraum. (GELZ/ Peter Kiefer)

70 – 275: Die Treverer lehnen sich im Jahr 70 ein letztes Mal gegen die Römer auf. Die Bewohner des Dreiländerecks werden zunehmend „römischer“, wobei die Stämme jedoch Teile Ihrer Kultur und Religion bewahren. Mit den Römern kommt ein Zivilisationsschub. Erste Straßen werden gebaut. Die Römerstraße führt von Metz in Richtung Trier und von dort in Richtung Rhein. Die Villa Borg liegt direkt an der Römerstraße. Die Kalkvorkommen auf dem Stromberg, Hammelsberg und Kolleberg werden abgebaut. In Apach existieren Eisenschmelzen, die für die umliegenden Schmieden Roheisen herstellen. An der Mosel werden Treidelpfade angelegt. Relativ große Schiffe transportieren Waren. Man nennt die durch das Zusammenschmelzen von gallischer und römischer Kultur entstandene Mischkultur „gallo-römische Kultur“. Es herrscht über 200 Jahre lang Frieden. (GELZ/ Peter Kiefer)

256 – 451: Plünderungen im Dreiländereck

256 – 451: Plünderungen im Dreiländereck

256-257: Die Franken, ein Verband aus verschiedenen germanischen Völkern, verlassen ihre Heimat in Nordeuropa und wandern südwärts. Sie plündern in den Jahren 275/276 Trier und das Dreiländereck und zerstören u. a. die Villa Borg. Unter Kaiser Diokletian erlebt das römische Reich einen Aufschwung. Kaiser Konstantin erhebt Trier im Jahr 318 zu einem wichtigen Verwaltungssitz für ganz Gallien. In Trier leben zu dieser Zeit ca. 60.000 Menschen. Trier ist somit eine der größten Städte Europas. (GELZ/ Peter Kiefer)

366: Die Alemannen, ein germanischer Stamm, drängen über den Rhein und plündern das Dreiländereck. Kaiser Valentinian kann sie 366 wieder über den Rhein zurückdrängen. 401 werden jedoch große Teile der römischen Armee abgezogen, da die Westgoten Italien angreifen.

410-435: Trier und das Dreiländereck werden in nur 25 Jahren viermal von durchziehenden fränkischen Armeen geplündert. Die Franken lassen sich zwar nicht nieder, doch die Ära des römischen Reiches geht zu Ende.

451: Trier, Metz und das Dreiländereck werden von den Hunnen geplündert. Auf den Katalaunischen Feldern bei Troyes kommt es zu einer großen
Schlacht, bei der die Römer und ihre Verbündeten siegen. Die Hunnen und ihre verbündeten germanischen Stämme unterliegen. Der Einfluss der
gallo-römischen Kultur nimmt trotzdem immer weiter ab. (GELZ)

511 - 600: Die römische Zeit im Dreiländereck ist zu Ende

511 - 600: Die römische Zeit im Dreiländereck ist zu Ende

511: Die römische Zeit geht im Dreiländerraum endgültig zu Ende. Die Merowinger-Franken herrschen seit etwa 485. Als Chlodwig I. im Jahr 511 stirbt, teilt er sein Reich in vier Teilreiche. Das Dreiländereck gehört zum Teilreich Austrasien. Die Hauptstadt des Königs Teuderich I. ist zuerst Reims und danach Metz, so dass die Gegend um das Dreiländereck einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. (GELZ)

600: Die sogenannte „fränkische Landnahme“ setzt ein. Wie im Feudalismus verteilt der König dabei Land an Gefolgsleute, die ihn daraufhin mit Leistungen unterstützen müssen. Teilweise teilen die Gefolgsleute wiederrum kleinere Gebiete an Gutsherren auf. Die Franken gründen wahrscheinlich die Gehöfte Perl, Oberperl und Sehndorf sowie andere Dörfer. Nach und nach entwickelt sich eine Sprachgrenze, da im westlichen Frankenreich mehr gallo-römisch beeinflusste „Alteingesessene“ und im östlichen Frankenreich mehr Franken leben. Daraus entwickelt sich das Moselfränkische, das über 1300 Jahre lang die Verkehrssprache im Dreiländereck sein wird. (GELZ)

800 – 812: Karl der Große wird zum Kaiser gekrönt

800 – 812: Karl der Große wird zum Kaiser gekrönt

800: Karl der Große ist ein bekannter König des Frankenreichs. In der Regel wird ein Sohn des vorherigen Königs neuer König. Dieses Prinzip nennt man Erbmonarchie. Die Franken herrschen damals über das heutige Frankreich, Belgien, die Niederlande und große Teile Deutschlands. Das Frankenreich erreicht unter seinem König Karl, der 747 oder 748 geboren wurde, seine größte Ausdehnung. Karls Geburtsort ist unbekannt, jedoch könnte es sein, dass er in Thionville geboren wurde. Karl wird am 25. Dezember 800 in Aachen zum Kaiser gekrönt. Das ist zu diesem Zeitpunkt etwas Besonderes, da er seit dem letzten weströmischen Kaiser Julius Nepos der erste Kaiser in einem westeuropäischen Land ist. Spätestens um 800 wird die Pfarrei Perl gegründet. Eine Pfarrei ist eine Kirchengemeinde, die einen eigenen Pfarrer hat. Die Pfarrei Perl gehört zum Domkapitel in Trier. Karl der Große stirbt 812, sein Sohn Ludwig der Fromme wird neuer König. (GELZ)

843: Aufteilung des Frankenreich im Vertrag von Verdun

843: Aufteilung des Frankenreich im Vertrag von Verdun

843: Schon während der Herrschaft Ludwigs gibt es Streit unter seinen Söhnen. Schließlich teilen die Söhne im Vertrag von Verdun das Frankenreich in drei Teile. Sein Sohn Lothar bekommt das mittelfränkische Reich. Dieses Land wird daraufhin „Lotharingen“ genannt. Das Dreiländereck liegt in Lotharingen, es ist aber nicht weit von der Grenze zum ostfränkischen Reich entfernt. Der Name „Lotharingen“ wandelt sich später zu „Lothringen“. Die Fläche der heutigen Region Lothringen in Frankreich ist jedoch deutlich kleiner, als das damalige Lotharingen. (AUST/HERRMANN/QUASTEN)

870 - 911: Perler Hammelsberg wird erstmals zur Staatsgrenze

870 - 911: Perler Hammelsberg wird erstmals zur Staatsgrenze

870: Lotharingen wird nach dem Tod von Lothar II. durch den Vetrag von Mersen zwischen dem Ost- und dem Westfrankenreich aufgeteilt. Das Dreiländereck wird Teil des ostfränkischen Reichs. Der Hammelsberg bei Perl wird erstmals zur Staatsgrenze und trennt das Königreich von Ludwig dem Deutschen vom Königreich von Karl dem Kahlen. Perl gehört zu Oberlothringen. (GELZ)

900: Zwischen 900 und 911 zerfällt die Zentralgewalt und es kommt zur Herausbildung von Stammesherzogtümern.

925 – 959: Die Grenze verschwindet wieder

925 – 959: Die Grenze verschwindet wieder

925: König Heinrich I. stellt die Zentralgewalt im Ostfrankenreich wieder her und gliedert Lothringen als fünftes Stammesherzogtum neben Franken, Schwaben, Sachsen und Bayern wieder in das Ostfrankenreich ein.  Das Dreiländereck liegt wieder einige Hundert Kilometer von der Grenze entfernt. (GELZ)

959: Im Jahr 959 wird das Herzogtum Lothringen in Ober- und Niederlothringen aufgeteilt. Die Grenze verläuft oberhalb von Trier und Longwy.

1210 – 1380: Niederlothringen zerfällt in viele Herzogtümer, Oberlothringen bleibt als Herzogtum Lothringen eine politische Einheit

1210 – 1380: Niederlothringen zerfällt in viele Herzogtümer, Oberlothringen bleibt als Herzogtum Lothringen eine politische Einheit

Zwischen 1210 und 1360 zerfällt Niederlothringen in zahlreiche Herzogtümer und Herrschaftsbereiche wie zum Beispiel das Herzogtum Luxemburg.

1354 wird die Grafschaft Luxemburg zum Herzogtum und erweitert damit Ihre Souveränität. Um 1370 erreicht das Herzogtum seine größte Ausdehnung. Die Steuern sind damals relativ hoch: Die Luxemburger Grafen erhalten 12 % der Ernte der Bauern, die Kirche 10 %. Durch die milden Temperaturen und den Weinbau erzielen sie im Moseltal relativ hohe Einkünfte. (Kiefer)

Parallel zum Zerfall von Niederlothringen bleibt Oberlothringen als Herzogtum Lothringen größtenteils bestehen. Lediglich Das Herzogtum Bar spaltet sich ab. Nancy wird zur Hauptstadt.1380 erfolgt die Wiedervereinigung einer Hälfte des Herzogtums Bar mit dem Herzogtum Lothringen.

1430 – 1480: Niederlothringen fällt an die Herzöge von Burgund

1430 – 1480: Niederlothringen fällt an die Herzöge von Burgund

1430 - 1473: Zwischen 1430 und 1473 erwerben die Herzöge von Burgund den größten Teil Niederlothringens, nämlich die Grafschaft Hennegau, das Herzogtum Brabant, das Herzogtum Limburg, Luxemburg, die Grafschaft Holland, die Provinz Zeeland und das Herzogtum Geldern. Diese bilden 1477 das burgundische Erbe der Habsburger.

1475-1480: Es herrscht Krieg zwischen Burgund und Lothringen. Soldaten durchstreifen und plündern die Dörfer. 1484 erlässt Papst Innozenz VIII einen Erlass gegen vermeintliche Hexen und Andersgläubige. Bis 1648 werden im Kurfürstentum Trier daraufhin fast 1.000 Menschen als Hexen verbrannt. (Kiefer)

1552 - 1596: Wachsender Einfluss Frankreichs und Plünderungen im Dreiländereck

1552 - 1596: Wachsender Einfluss Frankreichs und Plünderungen im Dreiländereck

1552: Metz wird unmittelbare französische Reichsstadt, Sierck verbleibt jedoch im Herzogtum Lothringen. Mitten durch das Dreiländereck verläuft die Grenze des Kurfürstentums Trier und des Herzogtums Lothringens. Beide sind jedoch im Gegensatz zu Metz Teil des Heiligen Römischen Reichs und unterstehen dem deutschen Kaiser. In den Jahren 1552 bis 1557 ziehen immer wieder deutsche, französische und spanische Armeen durch das Dreiländereck. Viele Dörfer werden geplündert und teilweise zerstört. (AUST/HERRMANN/QUASTEN)

1577: Spanische Truppen ziehen auf ihrem Weg aus dem Unabhängigkeitskrieg in den Niederlanden in Richtung Italien durch das Dreiländereck. Die Soldaten requirieren für die etwa 15.000 Menschen und 6.500 Pferde Nahrungsmittel in den Dörfern entlang ihres Weges. (Kiefer)

1590: Wieder plündern Soldaten eines deutschen Regimentes mehrere Monate lang das Dreiländereck. (Kiefer)

1596: Zur Pfarrei Perl gehören Eft, Borg, Schengen, Apach und Merschweiler. (GELZ)

1632 – 1659: Dreiländereck wird Schauplatz des 30jährigen Kriegs

1632 – 1659: Dreiländereck wird Schauplatz des 30jährigen Kriegs

1632-1635: Im Jahr 1632 wird das Dreiländererck im Rahmen der konfessionellen Kämpfe des Dreißigjährigen Krieges monatelang zum Kriegsgebiet. Zuerst plündern mit dem französischen König verbündete schwedische Truppen die Dörfer, v.a. die damaligen lothringischen Gebiete leiden. 1633 erobern französische Soldaten den Gau und 1634 Sierck. 1635 erobern Lothringer und Spanier Sierck zurück, danach plündern sie das Moseltal. Bei Perl lagert damals ein Teil des französischen Heeres, in dem jedoch auch schottische, schweizerische, italienische und spanische Söldner mitkämpfen. Durch Soldaten verschiedener Konfliktparteien kommt es während des Dreißigjährigen Kriegs zu schrecklichen Verbrechen. Hinzu kommen Hungersnöte und Seuchen. Im Amtsbezirk Saarburg existieren von 1121 Haushalten im Jahr 1632 sieben Jahre später im Jahr 1639 nur noch 269. Die Dörfer Keßlingen, Münzingen, Tettingen, Butzdorf und Wochern sind vollkommen zerstört. (AUST/HERRMANN/QUASTEN)

1648: Der Dreißigjährige Krieg endet. Als Teil der Friedensbedingungen enden damit im Bereich des Kurfürstentums Trier auch die Hexenprozesse. Schon 1659 sind jedoch wieder französische Soldaten im Land, die das Dreiländereck plündern.

1661 - 1697: Erstmals französische Grenze im Dreiländereck

1661 - 1697: Erstmals französische Grenze im Dreiländereck

1661: Im Vertrag von Vincennes muss der Herzog von Lothringen die Herrschaft über Sierck-les-Bains und 30 weitere Dörfer an den französischen König abtreten. Damit kommt erstmals die französische Grenze ins Dreiländereck. (AUST/HERRMANN/QUASTEN)

1679: Lothringen fällt durch den Frieden von Nimwegen wieder an Frankreich. Schon 1690 gibt es jedoch wieder Krieg und damit erneut Hunger. (Peter Kiefer) 

1697: Im Frieden von Rijswijk wird Lothringen wieder selbständig und große Teile des Dreiländerecks unterstehen wieder dem Herzog von Lothringen. (AUST/HERRMANN/QUASTEN)

1766 - 1769: Französisch-luxemburgische Grenze wird festgelegt

1766 - 1769: Französisch-luxemburgische Grenze wird festgelegt

Nach dem Tod von Herzog Stanislaus wird Lothringen aufgrund eines Vertrages wieder Teil von Frankreich. Wenige Jahre später wird 1769 die französisch-luxemburgische Grenze festgelegt. Ihr Verlauf gilt auch heute noch. Einige der ehemaligen lothringischen Dörfer werden dadurch Französisch. (AUST/HERRMANN/QUASTEN)

1792 – 1803: Herzogtum Luxemburg wird Teil des französischen Staatsgebietes

1792 – 1803: Herzogtum Luxemburg wird Teil des französischen Staatsgebietes

1792: Einige Jahre nach der französischen Revolution erklärt Frankreich dem König von Böhmen und Ungarn den Krieg. Daraufhin ziehen preußische Truppen, die mit Österreich verbündet sind, im August 1792 durch das Moseltal und überqueren bei Sierck-les-Bains die französisch-trierische Grenze. Französische Revolutionstruppen besetzen große Teile des Deutschen Reichs. 1795 wird das Herzogtum Luxemburg aufgelöst und als „Département Forêts“ Teil des französischen Staatsgebietes. Im Frieden von Luneville wird 1801 schließlich das ganze Gebiet westlich des Rheins Frankreich zugesprochen. Das ganze Dreiländereck wird somit Teil von Frankreich. Das hat auch Folgen für die Kirchenzugehörigkeiten, z. B. scheiden die Orte Apach, Belmach, Schengen und Merschweiler 1803 aus der Perler Pfarrgemeinde aus. (AUST/HERRMANN/QUASTEN) (GELZ)

1814 - 1815: Der 1. und der 2.Pariser Frieden

1814 - 1815: Der 1. und der 2.Pariser Frieden

1. Pariser Frieden - 1814

Napoleon führt bis 1814 Krieg in Europa. Er wird in den „Freiheitskriegen“ geschlagen. Am 30. März 1814 kapituliert Paris. Am 2. April 1814 wird Napoleon abgesetzt und am 11. April 1814 verzichtet er auf den Thron. Ludwig XVIII. wird König. Im 1. Pariser Frieden vom Mai 1814 werden die Grenzen von 1792 wieder gültig.

2. Pariser Frieden - 1815

Napoleon ist zurück. In der Schlacht bei Waterloo wird Napoleon endgültig geschlagen. Es kommt am 20.11.1815 zum 2. Pariser Frieden. Frankreich muss Saarbrücken und Saarlouis an Preußen abtreten. Landau wird Bayern zugeschlagen.  Frankreich muss Kriegsentschädigungen in Höhe von 700 Millionen Francs zahlen.

1815: Luxemburg wird selbständiges Großherzogtum

1815: Luxemburg wird selbständiges Großherzogtum

1815: Der Wiener Kongress macht Luxemburg 1815 nominell zu einem selbständigen Großherzogtum, das unter den Königen des Hauses Nassau-Oranien in Personalunion mit dem Königreich der Niederlande verbunden ist. Anders als die übrigen Gebiete des neu geschaffenen Königreichs wird Luxemburg aber Teil des Deutschen Bundes

1816 - 1829: (17) Erster Kataster entsteht und legt Grenzen genau fest – Mosel wird Kondominium

1816 - 1829: Erster Kataster entsteht und legt Grenzen genau fest – Mosel wird Kondominium

1816: Das Territorium des Kurfürstentums Trier wird im Wiener Kongress zusammen mit dem Rheinland Preußen zugesprochen. Außerdem erhält Preußen alle ehemaligen luxemburgischen Gebiete östlich von Mosel, Sauer und Our, so dass große Teile des Dreiländerecks plötzlich preußisch werden. Um die Grenze zu begradigen werden 1829 einige Dörfer getauscht. So kommt Manderen zu Frankreich. Die Grundstücke werden in ein erstes Kataster eingetragen und die Grenze wird genau festgelegt und gilt auch heute noch als Grenze. Entlang der (heute DE-FR) Grenze werden Grenzsteine aufgestellt. Es werden Kontrollen eingeführt und Zöllner eingestellt. Zwischen Deutschland und Luxemburg wird die Mosel zur Grenze. Der Fluss ist jedoch ein Kondominium, bei dem der jeweils gegenüberliegende Wasserrand die Grenze beider Länder bildet. Die Mosel ist sozusagen Teil zweier Länder. (AUST/HERRMANN/QUASTEN) (GELZ)

1871 – 1889: Annektierung Lothringens und Ausbau Handelsroute

1871 – 1889: Annektierung Lothringens und Ausbau Handelsroute

1871: Nach dem Deutsch-Französischen Krieg und der deutschen Annektierung Lothringens verschiebt sich die Grenze bis weit hinter Metz. (GELZ)

1889: Die Eisenbahnstrecke Metz-Koblenz wird eröffnet und erleichtert den Warentransport. Im gleichen Zeitraum werden in Schengen und Remich Brücken gebaut. (GELZ)

1918 - 1935: Die Grenze rückt wieder näher

1918 - 1935: Die Grenze rückt wieder näher

Nach dem Ende des ersten Weltkrieges wird Perl wieder Grenzort. Auf beiden Seiten der Grenze entstehen Zollposten. Um Unterkünfte für die Zöllner zu schaffen, werden in verschiedenen Orten entlang der Grenze, z. B. in Perl und Apach, Häuser für die Zöllner und ihre Familien gebaut. Durch den Versailler Vertrag vom 28.6.1919 wird das Saargebiet bis Januar 1935 dem Völkerbund unterstellt. Danach soll die staatsrechtliche Stellung durch eine Volksabstimmung festgelegt werden.

Erstmals stellt das Saargebiet eine eigene Verwaltungseinheit dar. Frankreich will das Saarland annektieren. Es erhält aber nur die Steinkohlengruben. Das bedeutet aber, dass Frankreich einen starken wirtschaftlichen Einfluss besitzt. Die Grenzverschiebung trennt das neu geschaffene Saargebiet unter Verwaltung des Völkerbundes von Deutschland ab. Die französische Militärverwaltung (1918-1920), die Anwesenheit französischer Truppen bis 1930 und die französische Dominanz im Zivilleben prägen die Saarregion bis 1935. (Gerhild Krebs)

1936 - 1945: Volksabstimmung und Zweiter Weltkrieg

1936 - 1945: Volksabstimmung und Zweiter Weltkrieg

1936-1945: „Nach der Volksabstimmung (13. Januar 1935) wird das Saargebiet administrativ ins NS-Reich eingegliedert und bildet ab 1. März 1935 zusammen mit der Pfalz den Gau Saarpfalz. Für diese neugeschaffene NS-Verwaltungsebene wird reichsweit die mittelalterliche Bezeichnung Gau verwendet, die ursprünglich bestimmte Landschaften bzw. Rechtsgefüge bezeichnet hatte.

Im Zweiten Weltkrieg wird das französische Departement Moselle von Deutschland annektiert. Ab 1944 wird das Dreiländereck Kriegsschauplatz, da die alliierten Streitkräfte den sogenannten Orscholzriegel, einen Teil des Westwalls, wochenlang angreifen. Tausende Soldaten und Hunderte deutsche, luxemburgische und französische Zivilisten sterben.

Maginot-Linie & Westwall:

Die Maginot-Linie, benannt nach Verteidigungsminister André Maginot, wird als Konsequenz aus dem Stellungskrieg im Ersten Weltkrieg geplant. Sie ist 700 Kilometer lang. Hinter natürlichen Hindernissen, z. Bsp. Westlich des Rheins, installiert Frankreich meist nur Kasematten und Unterstände. Am größten wird die Bedrohung an der Grenze zur Pfalz und zum Saarland eingestuft.

Ab 1937 entsteht auf deutscher Seite mit großem logistischem Aufwand der Westwall. Die Planungen werden nie vollständig umgesetzt, weder bis zum Frankreichfeldzug 1939/40 noch bis zum Winter 1944/45, dem letzten Kriegswinter. Teile von Westwall und Maginot-Linie können heute sowohl in Lothringen als auch im Saarland besichtigt werden (z.B. Höckerlinie in Tettingen-Butzdorf und Orscholz).

1946: Die Nachkriegszeit

1946: Die Nachkriegszeit

1946: Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945 wird Deutschland unter die Verwaltung der Alliierten gestellt. Das Saarland wird für 10 Jahre unter französische Verwaltung gestellt. Die Grenze verschiebt sich nach Nennig. (GELZ)

1955 - 1959: Das Saarland entscheidet sich 1957 für die Bundesrepublik

1955 - 1959: Das Saarland entscheidet sich 1957 für die Bundesrepublik

Nach langen Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland einigen sich beide Länder auf ein europäisches Statut für das Saarland. Vor der Volksabstimmung wird ein leidenschaftlicher Wahlkampf geführt.

Am 23. Oktober 1955 wird gewählt – die Bevölkerung spricht sich gegen das europäische Statut aus, es wird abgelehnt. Die Rückgliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik ab dem 1. Januar 1957 wird im Luxemburger Vertrag geregelt. Am 6. Juli 1959 folgt die wirtschaftliche Rückgliederung in den deutschen Wirtschaftsraum. Der französische Franc wird durch die Deutsche Mark ersetzt.

1985 - 1995: Das Schengener Abkommen – 1985

1985 - 1995: Das Schengener Abkommen – 1985

Seit der Unterzeichnung des Schengener Abkommens und seiner praktischen Umsetzung ab dem 26. März 1995 steht Schengen als Symbol für offene Grenzen in Europa. Es bezeichnet eine Vereinbarung, auf Grenzkontrollen  an den Binnengrenzen dieser Staaten zu verzichten. Visa, die von einem Schengen-Mitgliedstaat ausgestellt werden, sind seither im gesamten „Schengen-Raum“ gültig.

Am 14. Juni 1985 treffen sich die Staatssekretäre aus den Benelux-Staaten, Deutschland und Frankreich an Bord des Ausflugschiffes MS Princesse Marie-Astrid, um diesen Meilenstein in der europäischen Geschichte zu besiegeln.

Am 19. Juni 1990 wird an gleicher Stelle ein zweites Abkommen unterschrieben (Schengener Durchführungsübereinkommen), was die konkrete Umsetzung in gesetzlicher und technischer Hinsicht festlegt.

Inzwischen haben sich dem Schengen-Raum 26 Staaten angeschlossen, das sind alle EU-Staaten (außer Irland, Großbritanien, Zypern, Bulgarien, Rumänien und Kroatien) und zusätzlich Island, Norwegen, die Schweiz und Lichtenstein.

Schengen Lyzeum als Beispiel gemeinsamer, grenzüberschreitender Projekte

Schengen Lyzeum als Beispiel gemeinsamer, grenzüberschreitender Projekte

Am binationalen Deutsch-Luxemburgische Schengen-Lyzeum Perl werden  zurzeit in den Klassenstufen 5 bis 12 insgesamt 840 Schülerinnen und Schüler von 120 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet.

Übergeordnetes Ziel der Schule ist die Integration von Schülerinnen und Schülern von beiderseits der Grenzen, um sie durch die Verbindung von Elementen beider Bildungssysteme zum Leben und Arbeiten in einem interkulturell geprägten Europa zu qualifizieren. Der Unterricht ist dabei geprägt von innovativen pädagogischen Konzepten, bei denen der Schülerzentrierung und dem eigenständigen Lernen besondere Bedeutung zukommt.

Am Deutsch-Luxemburgischen Schengen-Lyzeum können die Schülerinnen und Schüler saarländische und luxemburgische Abschlüsse bis hin zum   luxemburgischen und das saarländischen Abitur nach Klasse 12 erwerben.

Als Ganztagsschule bietet das Schengen-Lyzeum den Schülerinnen und Schülern besondere Förder- und Betreuungsangebote, deren Ziel es ist, die Schülerinnen und Schüler zu den höchst möglichen Abschlüssen zu führen. Der Veränderung der Lernkultur kommt dabei unter Einbeziehung neuester Technik und Medien besondere Bedeutung zu.

In den Klassenstufen 5 und 6 werden alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam unterrichtet, ab der Klassenstufe 7 erfolgt eine schrittweise Differenzierung entsprechend der Fertigkeiten, Fähigkeiten und Neigungen der Schülerinnen und Schüler. Deutsch, Französisch und Luxemburgisch werden in diesen Klassenstufen obligatorisch unterrichtet, in der Jahrgangsstufe 7 kommt Englisch als dritte Fremdsprache dazu. Unterrichtssprache ist überwiegend Deutsch. Ab der Klassenstufe 5 werden verschiedene Sachfächer in französischer Sprache unterrichtet.

Nach der Klassenstufe 9 werden die Schülerinnen und Schüler entsprechend ihrer Leistungen in den berufsbildenden Zweig, der nach Luxemburger Recht organisiert ist oder in den gymnasialen Zweig, der entsprechend der saarländischen gymnasialen Verordnung organisiert ist, orientiert. In beiden Zweigen kommt der französischen Sprache besondere Bedeutung zu.

Förderhinweis:
Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete

Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER): Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete. Dieses Vorhaben „Grenzraum Dreiländereck - 2000 Jahre Einheit und Trennung“ wird nach dem Saarländischen Entwicklungsplan für den ländlichen Raum 2014-2020 im Rahmen der LEADERStrategie der Leaderregion Merzig-Wadern aus Mitteln der Europäischen Union und des Saarlandes gefördert.

weitere Informationen unter www.eler.saarland.de
und unter https://ec.europa.eu/agriculture/rural-development-2014-2020_de